Medien 4 Min. Lesezeit

Zu früh ein Smartphone? Warum ein Start vor dem 12. Geburtstag Gesundheitsrisiken erhöhen kann

Neue Forschung zeigt: Kinder, die vor dem 12. Lebensjahr ein Smartphone erhalten, haben ein höheres Risiko für Schlafprobleme, depressive Symptome und Übergewicht. Was Eltern wissen sollten.

Kind mit Smartphone im Kinderzimmer

Zu früh ein Smartphone? Warum ein Start vor dem 12. Geburtstag Gesundheitsrisiken erhöhen kann

Die Frage „Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein eigenes Smartphone?“ beschäftigt heute fast alle Eltern. Kinder wünschen sich früh digitale Eigenständigkeit, während Fachleute vor möglichen gesundheitlichen Folgen warnen.

Eine neue Studie liefert nun deutlichere Hinweise – und stärkt die Empfehlung vieler Experten, mit dem ersten Smartphone so lange wie möglich zu warten.

Basierend auf einem aktuellen Bericht der New York Times:
Quelle: https://www.nytimes.com/2025/12/01/well/family/early-smartphone-ownership-study.html


Was die neue Studie zeigt

Die im Fachjournal Pediatrics veröffentlichte Untersuchung analysierte Daten von über 10.500 Kindern aus der bekannten Adolescent Brain Cognitive Development Study – der größten Langzeitstudie zur Gehirnentwicklung von Kindern in den USA.

Die Ergebnisse sind eindeutig:

Kinder, die vor dem 12. Geburtstag ein Smartphone besitzen, haben ein erhöhtes Risiko für:

  • Depressive Symptome
  • Schlafmangel
  • Übergewicht

Je jünger die Kinder beim ersten Smartphone waren, desto deutlicher zeigten sich die negativen Effekte.

Besonders auffällig:
Unter den Kindern, die noch kein Smartphone mit 12 hatten, zeigten jene, die ein Jahr später ein Gerät bekamen, schlechtere Schlafwerte und mehr emotionale Belastungen als diejenigen, die weiterhin keins hatten.

Der leitende Studienautor Dr. Ran Barzilay fasst es so zusammen:

„Wenn Sie Ihrem Kind ein Smartphone geben, sollten Sie es als eine bedeutende gesundheitliche Entscheidung betrachten.“


Warum der Zeitpunkt eine so große Rolle spielt

Die Studie zeigt keine direkte Kausalität – aber die Forscher sehen starke Zusammenhänge mit bekannten Risikofaktoren.

1. Weniger Schlaf

Smartphones im Schlafzimmer führen nachweislich zu:

  • späterem Einschlafen
  • nächtlichem Aufwachen durch Benachrichtigungen
  • insgesamt verkürzter Schlafdauer

Gerade in der frühen Pubertät wirkt sich Schlafmangel besonders ungünstig auf Entwicklung, Stimmung und Verhalten aus.

2. Weniger Bewegung

Mit eigenem Smartphone steigt die Zeit für:

  • Gaming
  • Videos
  • Social Media

Damit sinkt oft die körperliche Aktivität.

3. Weniger echte soziale Interaktion

Digitale Kommunikation kann Treffen mit Gleichaltrigen ersetzen – ein Verlust, der im jungen Alter besonders relevant ist.


Was die Studie NICHT sagt

Die Forscher warnen vor Fehlinterpretationen:

  • Smartphones verursachen nicht automatisch Depressionen oder Gesundheitsprobleme.
  • Es geht nicht darum, Eltern zu verurteilen.
  • Auch Kinder mit Smartphone können völlig gesund aufwachsen.

Aber:
Das Risiko steigt statistisch deutlich, je jünger das Kind ist.

Die Ergebnisse sollen Eltern helfen, besser informierte Entscheidungen zu treffen – nicht Schuldgefühle erzeugen.


Wie Expertinnen und Experten die Ergebnisse einordnen

Mehrere Forschende kommentierten die Studie gegenüber der New York Times:

„Perfekte Daten wird es nie geben“

Dr. Jacqueline Nesi (Brown University) betont, dass vollständige Kausalität kaum nachweisbar ist – trotzdem können Eltern neue Erkenntnisse praktisch nutzen:

„Eltern müssen nicht auf perfekte Evidenz warten. Wenn möglich, sollten sie das Smartphone hinauszögern.“

„Schlaf ist der entscheidende Faktor“

Dr. Jason Nagata (University of California) verweist auf frühere Daten:

  • 63 % der 11- bis 12-Jährigen haben ein Gerät im Schlafzimmer
  • 17 % werden nachts durch Benachrichtigungen geweckt

Der einfachste Schutz:
Keine Smartphones im Schlafzimmer.


Was bedeutet das nun für Eltern?

Die Studienlage wird komplex bleiben – aber aus den Daten ergibt sich ein klarer Trend.

1. Je später, desto besser

Viele Fachleute empfehlen heute:

  • kein Smartphone vor 12,
  • idealerweise noch später,
  • soziale Medien erst ab 14–16.

2. Das erste Gerät sollte kein vollwertiges Smartphone sein

Handy ohne Internet oder eingeschränkte Geräte (z. B. Pinwheel, Light Phone) sind sinnvolle Zwischenstufen.

3. Klare Regeln schützen – auch nach dem Kauf

  • Keine Geräte im Schlafzimmer
  • Kein unbegrenztes Datenvolumen
  • Aktivierte Jugendschutzfunktionen
  • Gemeinsame Gespräche über Risiken und Gewohnheiten

4. Kinder brauchen Vorbereitung, nicht nur Technik

Mit zunehmendem Alter sollten Kinder Schritt für Schritt lernen:

  • digitale Selbstkontrolle
  • Umgang mit Social Media
  • Privatsphäre
  • Risiken von Onlinedruck

Fazit: Das Alter macht einen Unterschied

Smartphones sind heute integraler Bestandteil der Jugendkultur – aber der Zeitpunkt des Einstiegs ist entscheidend.

Die Forschung zeigt:

Je früher ein Kind ein Smartphone erhält, desto größer das Risiko für Schlafprobleme, Übergewicht und depressive Symptome.

Eltern müssen nichts überstürzen. Ein späterer Einstieg bietet klare gesundheitliche Vorteile – und schützt Kinder in einer Phase, in der sie besonders verwundbar sind.


Quelle:
The New York Times, „A Smartphone Before Age 12 Could Carry Health Risks, Study Says“
https://www.nytimes.com/2025/12/01/well/family/early-smartphone-ownership-study.html

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter sollten Kinder ein Smartphone bekommen?

Studien zeigen: Je später, desto besser. Viele Experten empfehlen kein Smartphone vor 12 Jahren, idealerweise noch später. Das erste Gerät sollte kein vollwertiges Smartphone sein, sondern ein eingeschränktes Gerät.

Welche Risiken hat ein frühes Smartphone für Kinder?

Kinder mit Smartphone vor dem 12. Geburtstag haben laut Studien ein erhöhtes Risiko für depressive Symptome, Schlafmangel und Übergewicht. Je jünger beim ersten Smartphone, desto deutlicher die negativen Effekte.

Warum ist Schlaf so wichtig beim Thema Smartphone?

63% der 11- bis 12-Jährigen haben ein Gerät im Schlafzimmer, 17% werden nachts durch Benachrichtigungen geweckt. Schlafmangel wirkt sich besonders in der frühen Pubertät ungünstig auf Entwicklung und Stimmung aus.

Welche Alternativen gibt es zum vollwertigen Smartphone?

Eingeschränkte Geräte wie Pinwheel oder Light Phone sind sinnvolle Zwischenstufen. Sie ermöglichen Erreichbarkeit ohne unbegrenzten Internetzugang und Social Media.

#smartphone #kinder #digitalerziehung #gesundheit #schlaf