Warum kleine Aufgaben Kinder stark machen: Wie Haushaltsaufgaben die mentale Gesundheit fördern
Können so einfache Tätigkeiten wie den Tisch decken, das Bett machen oder die Spülmaschine ausräumen wirklich die mentale Gesundheit von Kindern stärken?
Forschende und Psycholog:innen sagen eindeutig: Ja.
Eine Analyse der New York Times zeigt, wie stark sogenannte Mastery Experiences – also Erfahrungen, bei denen Kinder etwas eigenständig schaffen – zu mehr Selbstvertrauen, Stressresistenz und emotionaler Stabilität beitragen.
Quelle (NYT): https://www.nytimes.com/2021/02/11/well/family/children-chores-skills.html
Was hinter dem Konzept der „Selbstwirksamkeit“ steckt
Der Begriff Selbstwirksamkeit („self-efficacy“) geht auf den Psychologen Albert Bandura zurück. Er beschreibt das Vertrauen eines Menschen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen.
Kinder, die regelmäßig erfahren:
- Ich kann das.
- Ich bin fähig.
- Ich schaffe Dinge allein.
entwickeln eine stabile psychische Grundlage, die ihnen später in Schule, Beruf und sozialen Beziehungen hilft.
Positive Effekte hoher Selbstwirksamkeit:
- höhere Motivation
- mehr Lebenszufriedenheit
- bessere Problemlösekompetenz
- stärkere Resilienz
- gesündere soziale Beziehungen
Negative Folgen niedriger Selbstwirksamkeit:
- Unsicherheit
- Angst
- depressive Stimmung
- Rückzug und Passivität
Warum kleine Aufgaben so große Wirkung haben
Psycholog:innen betonen: Kinder müssen echte Erfahrungen machen, um Selbstwirksamkeit aufzubauen. Und dafür braucht es keine großen Projekte – kleine, alltagsnahe Herausforderungen reichen völlig.
Beispiele:
- ein schwieriger LEGO-Bau
- selbstständig die Jacke anziehen
- die Spülmaschine einräumen
- dem kleinen Geschwisterkind helfen
- eine Bestellung im Restaurant aufgeben
- beim technischen Problem zu Hause unterstützen
Diese Situationen signalisieren:
„Ich kann etwas bewirken.“
Der Schlüssel ist echte Verantwortung
Wenn Kinder nur zuschauen oder alles für sie erledigt wird, lernen sie weniger. Entscheidend ist, dass sie selbst tätig werden, Fehler machen dürfen und Erfolgserlebnisse sammeln.
Wie Eltern diese kleinen Erfolge sichtbar machen können
Prof. Lea Waters (University of Melbourne) spricht von einem „Erfolgsbankkonto“. Eltern können dieses aufbauen, indem sie:
✔ Erfolge benennen
„Du hast das heute ganz alleine geschafft.“
✔ Veränderungen sichtbar machen
„Letzte Woche brauchtest du noch Hilfe – heute nicht mehr.“
✔ Gemeinsam reflektieren
„Wie hast du das Problem gelöst?“
Mit solchen Rückmeldungen verinnerlichen Kinder:
„Ich wachse. Ich kann das.“
Wenn Helfen schwerfällt – für Eltern und Kinder
Viele Eltern kennen das:
Es ist oft schneller und einfacher, Dinge selbst zu erledigen.
Doch Studien zeigen:
Wenn Eltern Kindern Aufgaben abnehmen, reduziert das Elternstress, aber erhöht den Stress der Kinder. Denn Kinder erleben:
„Ich kann es nicht alleine.“
Der erzieherische Vorteil liegt darin, Kinder selbst machen zu lassen, auch wenn etwas länger dauert oder nicht perfekt ist.
Gleichzeitig gilt:
Eltern sollten aufmerksam bleiben, wenn Kinder Anzeichen mentaler Belastung zeigen – Veränderungen in Schlaf, Appetit, Stimmung, Konzentration oder sozialem Verhalten.
Die Pandemie als ungewolltes Lernlabor
Der ursprüngliche NYT-Artikel entstand während der Pandemie – einer Zeit, in der Familien viel zu Hause waren. Aber seine Erkenntnisse gelten dauerhaft:
Kinder wachsen mit Verantwortung.
Und sie brauchen reale Aufgaben – keine künstlichen Trainingssituationen.
Remote-Schooling, technische Probleme oder strukturierte Tagesabläufe boten Chancen, Verantwortung abzugeben, z. B.:
- Wecker selbst stellen
- Videotools bedienen
- Hausaufgaben organisieren
- Hunde Gassi führen
- einfache Haushaltstätigkeiten übernehmen
Wenn Kinder Fehler machten, waren die Folgen weniger dramatisch – ein guter Rahmen fürs Lernen.
Was Eltern konkret tun können
Hier einige wissenschaftlich fundierte Tipps:
✔ Kleine, echte Aufgaben anbieten
Keine „Beschäftigungstherapie“, sondern echte Beiträge zum Familienalltag.
✔ Erfolge anerkennen
Nicht übertreiben, aber sichtbar machen.
✔ Unterstützung dosieren
Hilfe geben – aber nicht übernehmen.
✔ Geduld haben
Perfektion ist kein Lernziel.
✔ Natürliche Konsequenzen zulassen
Zu spät aufstehen?
Dann eben später ins Homeschooling einloggen.
✔ Stärkenorientiert erziehen
Aufgaben an Interessen anpassen.
Fazit: Alltagssituationen stärken Kinder mehr als wir denken
Kinder müssen spüren, dass sie fähig sind.
Dass sie mit Herausforderungen umgehen können.
Dass sie Teil eines funktionierenden Systems sind.
All das bieten kleine Aufgaben wie:
- Spülmaschine ausräumen
- Wäsche falten
- Tisch decken
- Hund ausführen
- kleine Einkäufe erledigen
Diese Tätigkeiten sind keine lästige Pflicht – sie sind Trainingsfelder für mentale Stärke.
Eltern profitieren ebenso:
Kinder werden selbstständiger, und die gemeinsame Zeit gewinnt an Qualität.